Antwort auf: Druckauftrag vergeben

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#20439

Digibike
Teilnehmer

Hi!

Kein Problem – deswegen habe ich ja das vorab eingeworfen, bevor Ihr euch Teile hin und her
schickt, die vorn und hinten nicht passen und unnötig Material und Porto raus schmeißt…
0,2 mm übermaß? Im Durchmesser? Das wird kaum so hinhauen… Das würde vorraussetzen, daß
Modellbauer das mit ´ner 0,2er Düse druckt. Möglich, aber dann wird er kaum 45 min. brauchen…
Ich weiß seine Hardwarespezifikation jetzt nicht, aber ich tippe mal, 0,4 oder 0,5er Düse.
Ich würde bei dem Teil jedenfalls keine kleinere wählen, da es nicht sonderlich Filigran
ist und obendrein eher auf Festigkeit getrimmt sein sollte als auf Optik – ist ein Technisches
Teil, daß später einer Belastung stand halten soll und kein „Show“-Objekt, wie ich vermute.
Je weniger Layer und ergo grober die Düse, desto „Rustikaler“ die Optik, aber auch desto
Belastbarer, da die Layer in sich Dicker sind und mehr Kräfte aufnehmen können, gleichzeitig
haben Scherkräfte zwischen den einzelnen Layern weniger angriffsfläche.
Bei niedrigeren Layern/kleineren Düsen ist es genau umgekehrt, die optik wird hochfein, teilweise nur noch Microlinien (Layer) erkennbar, dafür unheimlich viele, was enorm viel Druckzeit verbraucht (Zeit, um einen Layer zu drucken ist annähernd gleich – ok, Infill ist deutlich schneller bei größeren Durchmessern, aber laß ich mal außen vor…), aber er braucht Pro mm jetzt nicht z.b. 3 Layer (0,33 mm Layerhöhe) sondern 20 Layer (0,05 mm Layerhöhe). Details kommen viel
feiner und genauer heraus, aber es gibt dann logischerweise auch 20 Verbindungsstellen Pro mm, wo Scherkräfte einwirken und entsprechend die Verbindung von einem Layer zum anderen aufspalten können. Ähnlich einem Stück Holz, daß du spalten tust: Paralell zu dem Faserverlauf fällt es fast von allein auseinander beim spalten, Quer dazu kommst ins Schwitzen, bis du es durch hast…

Das aber nur als Hintergrund. Also die 0,2 mm sind bestenfalls für eine 0,2er Düse und dort auch nur seeehr knapp. Besser ist da 0,5 mm min., Optimal 0,55 mm im Durchmesser größer den Sechskant. Dann ist egal welche der beiden Düsen zum Einsatz kommen und dein Sechskant greift immer noch satt rein (zwischen 0,05 mm und 0,1 mm Luft ist bei der größe vermutlich vertretbar… 😉 )

Technisch am Einfachsten wäre es, daß Teil 2-Teilig zu drucken und nachher mit 2 Komponenten
Kleber zu verkleben. Dann kannst exakt Rechtwinklig ohne Probleme realisieren.
Wenn es aus einem „Guss“ sein soll, und nicht so genau sein muß, wäre die Definitionsfrage,
was nicht so genau heißen soll… Der Ausschnitt zwischen der unteren und oberen Fläche ist
14 mm groß, wenn ich das richtig sehe. Wie groß muß er den genau sein?
Halbrund, ähnlich wie ein Jojo wäre Perfekt druckbar, aber dann hast kaum zwischenraum, was
angesichts der Orginalbreite kaum vorstellbar ist, daß das funzt…
Andererseits ist es so, daß der 3D Drucker nur bedingt in den freien Raum überhänge drucken
kann. Als Faustformel gilt da, 40 Grad schaft er, mehr nur wenn die Parameter zusammen paßen.
Aber mehr wie 60 Grad überhang wirst selbst mit ´ner 0,2er Düse kaum realisieren können, einfach
weil die Schwerkraft zu sehr darauf wirkt.
Bei Überhängen, um das Prinzip zu erklären, ist es so, daß er etwas versetzt nach außen druckt,
daß heißt ein kleiner Teil kommt noch auf dem drunter liegenden Layer zum liegen. Damit dieser nicht einfach nach dem Austritt aus der Düse anfängt runter zu „fließen“ bedarf es viel Lüfter-Power. Aber es darf auch nicht zu weit abkühlen, da sonst die Verbindung zu den „Nachbarraupen“ und dem nächsten Layer obendrüber, der dann noch kommt, im Prinzip nicht mehr vorhanden ist (ist dann nur noch etwas „gebeppt“…). Abgestützt wird diese dann von der Raupe der neben Ihr nach innen versetzt liegt.
Da wird dann auch schnell die Problematik deutlich: Je größer der Überhang, desto weniger
Überlappende Auflagefläche und desto mehr Gewicht soll diese dann auch noch tragen. Da würde
eigentlich nur kleinerer Düsendurchmesser einher gehend mit feineren Layern helfen. Dann kannst
etwas steilere Winkel (60 Grad) anvisieren, aber mit den oben beschriebenen Nachteilen…

Aber das nur als kurze Exkursion, was da beim Drucken so passiert und was da mit rein spielt. Das erklärt dann sehr schnell, worauf man bei der Konstruktion achten muß bzw. was man im Vorfeld abklären sollte. Dann stehen die Chancen sehr sehr gut, daß der erste Versuch gleich ein Volltreffer wird! Hoffe, ich habe es einigermaßen erklärt und dich nicht mehr verwirrt…
Ist leider etwas komplexer, als normale „Pheriperie“ am PC sonst so ist – aber wenn man weiß,
wie es geht, und einige Regeln beachtet, kann man geniale Sachen realisieren!

Gruß, Digibike